Vereinsgeschichte des SCIW:
Die jährlichen Aktivitäten
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Die Anfänge bis 1999
(von Herbert Knott)

Eigentlich sind es rechte Individualisten, die Segler. Das ist am Chiemsee nicht anders als auf anderen Gewässern. So fühlten sich die zahlreichen Bojenlieger im Irschener Winkel recht wohl. Individualist sein bedeutet nicht heimatlos sein, das Bojenfeld war die Heimat für die Freizeit, aber der (hoffentlich immer, leider dann doch nicht immer) ausreichend bemessene Schwojkreis signalisierte den "persönlichen Freiraum".

Bojenfeld um 1974, Irschener Winkel - Foto: Ludwig Weber

Als aus den zahlreichen ,,zahllose" Bojen wurden, war dieser Freiraum doch recht eingeengt; die Aktion Bojenenfternung der Gemeinde Bernau unter Bürgermeister Zeitelmann und des Landratsamtes Rosenheim im Frühjahr 1979 war eine fast zwanghaft zu erwartende Reaktion auf eine Überentwicklung. Daß mit der willkürlichen Entfernung von ca. 100 Bojen die Legalität etwas überstrapaziert wurde, bestätigte das Landgericht Traunstein in Verhandlungen vom 3.5. und 15.5. 1979. Angestrengt haue das Verfahren Herr RA Rainer Lorenz für einen Betroffenen.

Dies war die Geburtsstunde des SCIW, der am 1.6.1979 gegründet wurde.

Verhandlungen mit der Gemeinde über die Genehmigung von Bojen folgte eine erste Besprechung der Problematik mit einem größeren Kreis von Betroffenen/Geschädigten.

Am 30.8.1979 erfolgte die Eintragung des Segelclubs Irschener Winkel in das Vereinsregißter beim Amtsgericht Rosenheim und am 4.9.1979 die Mitgliederversammlung als eingetragener Verein im Fischerstüberl in Rottau, bei Familie Scheck, die für viele Bojenlieger "Herbergsvater" war.

Zur dritten Mitgliederversammlung am 15.12.1979 steht endgültig fest: Es wird eine Steganlage gebaut, die Bojen werden entfernt.

Das Jahr 1979 bedeutete bereits für viele, deren Boje entfernt wurde, heimatlos geworden zu sein. Glücklich die Segler, die bei der Einweihungsfeier vom 19.4.1980 ihren Stegplatz belegen konnten. Das Gefühl, aus dem Paradies vertrieben, aber doch eine Heimat gefunden, hatte sicher nicht allein ich. Und es war das Gefühl einer Gemeinschaft, die etwas errungen hatte im gemeinsamen Interesse, das der Einzelne wohl nicht erreicht hätte. Ein ,,Wir-Gefühl" ab zu dem Individualisten fähig sind. Mit sich Fug und Recht läßt behaupten, daß ohne das geschlossene Auftreten und das zähe Ringen des neu gegründeten SCIW, bis zur juristischen Auseinandersetzung, die Stege nicht errichtet worden wären.

Besonderer Dank gilt hier der ersten Vorstandschaft unter Herrn Hans Leier und dem Herrn RA Lorenz Rainer.

Die Kosten für das Segelvergnügen stiegen, verlorener Baukostenzuschuß von DM 2100, Reparaturkosten, Liegeplatzgebühr, doch auf der Habenseite gab es auch Positives zu verbuchen. Der Ärger über verschwundene Beiboote, aufgeschlitzte Schlauchboote sowie die manchmal grotesk anmutende Beiboot-Wuling gehörten der Vergangenheit an. Nicht zu vergessen der bequeme Zugang zum Boot (wer jemals bei starkem Föhn vom Boot zum Ufer mit dem Schlauchboot über eine halbe Stunde volle Kraft voraus gepullt ist, weiß das zu schätzen) und die Toilettenanlage. Bei gelegentlichen Hochwassern würde sich aber mancher das Beiboot zurückwünschen.

Hochwasser im Ischener Winkel, August 1996 - Weg zur Steganlage

Clubhäuser im Wasser

Die größere Behinderung stellen allerdings die Niedrigwasserstände dar. Der Irschener Winkel verlandet zusehends, doch eine hoffnungsvoll angelaufene Initiative zur Ausbaggerung des Hafenbereichs scheitert an der unteren Naturschutzbehörde am LA Rosenheim, die darin eine "Verfestigung der Anlage" sieht und, wegen der damals nur noch geringen Genehmigungsdauer der Anlage, keinesfalls zustimmt.

Langsam aber stetig wandelt sich das Selbstverständnis der Clubmitglieder. Durfte man anfangs bestenfalls von einem Zweckbündnis ,,heimatvertriebener" Bojen-Einsiedler ausgehen, so kann heute von einem belebten Vereinsleben gesprochen werden. Wesentlichen Anteit hatten die Vereinsregatten und der anschließende ,,Segler-Hock".

Yardstick heißt die Zauberformel, die auch langsameren Booten Chancen eröffnet. Allen Clubmitgliedern, die dem ,,Regattabetrieb" positive Aspekte nicht so recht abgewinnen können sei versichert: ,,Bierernst" ging es auf der Regattabahn des SCIW noch nie zu und die Teilnahme macht Freude!

Hinter all diesen Aktivitäten, die ein Clubleben ermöglichen, steht Arbeit, die ehrenamtlich und größtenteils unentgoltene Arbeit vieler Helfer. Übereinen Zeitraum von zwanzig Jahren wäre es vermessen, alle einzeln anzuführen oder Einzelne herauszuheben. Allen, die als Vorstandsmitglieder tatig waren und sind, die Clubinteressen bei Besprechungen mit der Gemeinde, den (vielen) zuständigen Behörden und Verbänden vertreten gilt unser Dank ebenso wie den früher und jetzt tätigen Festwarten und allen ,,Küchenhelfern" sowie den Sportwarten und Helfern auf den Regattabahnen. Ohne dieses Engagement wäre unser Clubleben nicht denkbar.

Also: DANKE!

Weiter mit dem Vereinsgeschehen. Neben den Regatten nimmt das Segeln mit behinderten Kindern der Orthopädischen Kinderklinik in Aschau einen festen Platz im Terminkalender des SCIW ein und wird in diesem Jahr zum fünfzehnten mal durchgeführt werden.

Wer glaubte, mit der Stegerrichtung sei das goldene Zeitalter angebrochen, wurde doch eines anderen (nicht besseren) belehrt. Die Genehmigung für die Steganlage war von Beginn an befristet auf zehn Jahre und da Segler anscheinend besonders schnell leben, war diese Frist um wie im Fluge. Durch tatkräftige Unterstützung der Gemeinde Bernau mit Herrn Bürgermeister Steindlmüller an der Spitze, dem der gesamte Verein dafür seinen Dank sagen will, konnte eine Art Duldung erreicht werden, bis Ersatz-Bootsliegeplätze geschaffen werden können.

Im Jahr 1996 und 1997 war es dann weit. Bernau hatte im Einvernehmen den im ,,Rasthaus" residierenden Amerikanern den Gemeindesteg neu aufgebaut erheblich erweitert.In diesem Zuge war den Liegeplatznehmern des Irschener Winkels ein Umzug an die neue Gemeindestege angeboten worden.

Neue Steganlage Bernau - Winter 1999

Diesmal keine ,,Vertreibung", sondern Angebot einer ,,neuen Heimat". Fakt war, daß ab Saison 1997 der westliche Steg im Irschener Winkel nicht mehr genutzt werden durfte und die Zahl der Liegeplätze damit in diesem Bereich auf weit weniger als die Hälfte sank.

Stegplatz Ischener Winkel mit Ausblick auf die Kampenwand

Für das Clubleben nicht gerade eine Erleichterung, wenn die Clubmitglieder über die ganze Welt verstreut" sind. Doch es klappt ganz gut Noch gibt es ja die "alte Heimat" im Irschener Winkel, die Nutzung des Toilettenhäuschens mit angehängtem Clubraum bietet die notwendige Infrastruktur Im Einvernehmen mit der Gemeinde Bernau und im Auftrag der Grundeigentümer wurde mit Beginn der Saison 1997 dem SCIW die Verwaltung des verbliebenen östlichen Steges im Irschener Winkel übertragen. Erheblicher Sanierungsbedarf am Steg und eine ab dieser Saison erhöhte Mieterwartung der Grundeigentümer ließen die Liegeplatzgebühren ansteigen.

Einen bemerkenswerten Punkt in der Vereinsgeschichte bildete der Ankauf und die Einweihung unseres Regattabegleit- und Sicherungsbootes. Ein Verdränger mit 50 PS Innenbord-Diesel, ein sicheres und ausreichend motorisiertes Boot für diese Aufgabe, konnte im Winter 1997/98 erworben und am 1. August 1998 mit einer zünftigen Bootstaute auf den Namen ,,Wiggerl" in Dienst gestellt werden.

Regattaboot des SCIW "Wiggerl" bei seiner ersten Probefahrt

Der Namensgeber Ludwig Lackner, unser langjähriger Fest- und Sportwart war im Februar 1998 unerwartet verstorben, war beim Kauf noch dabei, durfte die erste Fahrt aber nicht mehr erleben.

Der langjährige 1. Sportwart - Ludwig Lackner

Im zwanzigsten Jahr des Bestehens ist keineswegs Ruhe und Sicherheit ins Vereinsleben eingekehrt Beständig ist nur der Wandel. Die Liegeplätze im Irschener Winkel sind nach wie vor nur geduldet und wir hoffen von Jahr zu Jahr. Wenn auch manchmal ein (nur ganz vager) Hoffnungsschimmer auf langfristige Sicherung an der Kimm aufscheint, mit dieser Unsicherheit müssen die Liegeplatznehmer im Irschener Winkel leben. Seglers gefährdete Heimat. Bleibt das Wort der Gemeinde Bernau, solange die schützende Hand ,,unter den Kiel" der Liegeplatznehmer im Irschener Winkel zu halten, bis eine Erweiterungsmöglichkeit im Areal des jetzigen Gemeindehafens der Recreation-Area der Amerikaner gefunden ist. Keine endgültige Heimat gefunden zu haben, bedeutet auch ein nicht unerhebliches Handicap für eine Zukunftsaufgabe, die uns schon lange auf den Nägeln brennt: Die Jugendförderung. Dennoch muß es eines der festen Ziele sein, auch junge Clubmitglieder zu gewinnen. Die jetzige Vorstandschaft ist zur 50-Jahrleier des Clubs im Schnitt dann knapp 90 Jahre alt, alarmierende Zahlen, wie ich meine. Die ernste Lage ist damit hoffentlich allen klar.

Mit diesen etwas launigen Betrachtungen möchte ich dem Verein wünschen, die 50- Jahrfeier zu erleben, das Ereignis dann würdig zu begehen, allen künftigen Vorstandschaften eine glückliche Hand, die Erleuchtung zu weisen Entscheidungen und allen Seglern immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Herbert Knott


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Revised: Mai 2001