Denn ihr nehmt mehr mit, als ihr mitgebracht.

Segeln mit behinderten Kindern!

Zwanzig Jahre SCIW und zum fünfzehnten mal wird, so Rassmus will, und ich lege ihm sehr nahe zu wollen, das Segeln mit behinderten Kindern der Orthopädischen Kinderklinik in Aschau durchgeführt. Jubiläen an sich und Festschriften im besonderen verführen dazu stolze Zahlen aufzulisten und mit beeindruckenden Statistiken die blendende Entwicklung der Firma oder das segensreiche und vielleicht sogar staatstragende Wirken des Vereins der staunenden Mitwelt zu präsentieren.

Nun damit kann ich im Falle des Segelns mit behinderten Kindern leider nicht aufwarten und darum geht es dabei auch wahrlich nicht. Warum geht' s dann? Ich nehme Sie jetzt einfach mit zu solch einem Tag, einverstanden?

Der Termin war schon im Frühjahr vereinbart, war natürlich wieder umgeworfen, weil Überschneidungen dies erforderten oder das Wetter nicht ganz so wollte. Dies machte wieder einmal eine heiße Telefonaktion notwendig, um eine ausreichende Anzahl an Teilnehmern zu sichern.

11 Uhr jetzt stehen jedenfalls alle vorm Clubhäuschen zur Skipperbesprechung. Hauptthema ist die Wetterentwicklung und der Kurs, der sich dann verwirklichen läßt. Sicherheit, nicht Schnelligkeit steht an erster Stelle. Zwei segel erfahrene Personen auf jedem Boot und ausreichende Rettungsmittel; teilnehmen dürfen nur Kielboote oder Kielschwerter, auch hierin drückt sich das notwendige Sicherheitsdenken aus. Die Blicke gehen auf den See hinaus, prüfen kritisch das Wolkenbild. Von zunehmender Flaute bis zur rasch aufziehenden Gewitterfront war alles schon geboten. Und alle Situationen wurden gemeistert. Seit 1999 können wir mit dem clubeigenen Sicherungs- und Begleitboot "Wiggerl" sogar von idealen Sicherheitsbedingungen ausgehen.

Nun heute scheinen die Verhältnisse recht gut, die Skipper werden noch einmal an rechtzeitiges Reffen bei auffrischenden Winden erinnert, da rollen auch schon die Kleinbusse aus Aschau vor das Clubhäuschen. Aktion ist angesagt, die Kinder steigen aus und die Betreuer verfrachten die Gehbehinderten in die Rollstühle. Rollstuhlfahrer auf Segelbooten? Geht alles!

Verteilung der Kinder

Etliche der Kinder waren schon im vergangenen Jahr dabei, einige sind neu. Freudiges Wiedererkennen ,,ihres" Kapitäns aus dem Vorjahr bei einigen, schüchternes Abwarten bei anderen. Das vorgesehene Verteilschema gerät chaotisch durcheinander, aber Segler können sich auf alle wechselnden Gegebenheiten blitzschnell einstellen, und so werden bald schon die Boote geentert. Die Rollstühle bleiben an Land zurück. und unter geblähten Segeln ziehen die Schiffe in ruhiger Fahrt auf das Bayrische Meer. Je nach Temperament übernehmen die Kinder nun die Bedienung des Vorsegels, greifen mutig und manchmal mit erstaunlichem Geschick und großem Ernst zur Pinne und manche wieder übernehmen das Kommando über das Schiff. Andere hinter fragen wißbegierig wie und warum dies so und nicht anders funktioniert und wann sie endlich das Kapitänspatent erwerben könnten.

Erinnerungen werden wach an die Kindheit der eigenen Kinder, die auch viele Stunden auf dem Wasser verbrachten, ehe eigene Interessen sie andere Wege gehen ließen. Bevor die Gedanken zu weit abschweifen, wo sind die anderen Boote?

Möglichst im Verband zu segeln ist das Ziel, und der Kontakt der Kinder von Boot zu Boot bedeutet immer wieder ein großes Hallo. So geht es, je nach Wind, einmal um die Inseln oder nur bis Prien oder bis zur langen Seichte. Doch dann, die dramatische Werde!

Rauch steigt auf über dem Irschener Winkel, brennt die SCIW-Hütte?

Keine Panik, die Eingeweihten unter den Kindern wissen die Zeichen sehr wohl deuten, vom Grill steigen bereits zu verlockende Düfte. Nun geht es gewissermaßen um die Wurst, und \line manchem der Jungkapitäne kann die Rü ckfahrt gar nicht schnell genug gehen, geht es doch um den besten Platz in der Nähe des Grills und dem Limodepot. Doch keine Sorge, für alle ist bestens gesorgt. Grillfleisch, Würstl und Kartoffelsalat (für die Segler auch Bier) sorgen für Hochstimmung auch an Land.

Seglerratsch vor der Clubhütte mit unseren Gästen

Hier scheint es mir angebracht, ja ein Bedürfnis, ganz einfach Danke zu sagen unserem Festwart Hans Iszovics, seinen Vorgängern Hans Krenn nebst besserer HäIfte, dem unvergessenen Ludwig Lackner und den unermüdlichen Helfern im Vorder- Mittel- und Hintergrund, von denen ich stellvertretend Frau Hombergsmeier, Familie Stoiber, Frau Krünägel, Frau Abt und Frau Selbertinger erwähnen will. Den Grundsatz: "Erwähne nur Namen, wenn du sicher bist, auch keinen zu vergessen", kann ich nicht einhalten, und ich bitte hier mit schon alle nicht erwähnten, ebenso fleißigen Helfer um Vergebung. Nobody is Perfekt.

Zurück zum Geschehen, die Zeit zum Abschied ist gekommen. Die Kinder steigen in die Autos. Die geübten Hände der Be Betreuerinnen und Betreuer dem Kinderheim lassen alles so leicht und reibungslos erscheinen. Aber die geübten Hände allei ne sind es nicht, die uns beeindrucken, es ist die innere Einstellung, die Ausschlag gibt zu einer Berufswahl, die zum Dienst am Nächsten führt. Nicht unerwähnt bleiben soll hier der junge Mann, der nach abgeschlossener Bankausbildung keinen rechten Sinn darin zu erkennen vermochte, das viele Geld fremder Leute weiter zu vermehren und deshalb den Beruf des Krankenpflegers erlernte. Mich jedenfalls hat dies beeindruckt.

Regatta-Abschlußbild mit unseren Freizeitkapitänen

Im nächsten Jahr sicher wieder! Die Busse fahren an, ein letztes Winken, dann entschwinden sie. Zurück bleiben wir Segler mit einem Gefühl der Freude dieser Kinder. Diese Freude, die ganz spontan und ganz von innen kommt, steckt an, weckt schlummernde, oder sind es verschüttete Dinge im eigenen Inneren, und einen Teil davon darf man an diesem Abend getrost mit nach Hause nehmen, als Geschenk gewissermaßen, denn kaufen kann man dies nirgends.

Herbert Knott


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Revised: Mai 2001